Everything Everywhere All at Once

Everything Everywhere All at Once ★★★

Selten war ein Titel zutreffender: „Everything Everywhere all at once“ ist alles auf einmal, wild durcheinander gemixt. Martial Arts, Familiendrama, Sci-Fi-Extravaganza, philosophisches Gedankenexperiment. Da ist wieder dieser strange Humor, der wie in „Swiss Army Man“ die Sehgewohnheiten und Humorgrenzen bewusst attackiert und so einen Film voller Ambivalenzen schafft. Charaktere sinnieren in einem Moment über verpasste Entscheidungen ihres Lebens, im nächsten spritzt ein riesiger Strahl Kotze durchs Bild. Das muss man wie bei „Swiss Army Man“ schlucken um hiermit Spaß zu haben. Und wie in „Swiss Army Man“ nutzen die Daniels dieses überhöhte Setup um abseits von Backflips und Dimensionssprüngen eine berührende Geschichte über Figuren und ihre Beziehungen zueinander zu erzählen. 

Warum dann so eine verhältnismäßig niedrige Wertung, wo dass hier eigentlich genau mein Teetässchen ist? Gar nicht einfach zu beantworten - tatsächlich bin ich mir selten so unschlüssig gewesen, wie ich den Film eigentlich fand. Ganz häufig ist die ungebremste Kreativität der Regisseure einfach nur schwer faszinierend, Michelle Yeoh spielt großartig und als Actionfan bekomme ich sogar noch etwas KungFu-Gerangel, auch wenn mir die Inszenierung nicht immer gefallen hat.

Aber „Everything Everywhere all at once“ mutet dem Zuschauer auch viel zu, überschüttet ihn im ersten Akt mit endloser Exposition, die zusammen mit den Handlungssprüngen das Tempo stark abbremsen. Und dennoch hatte ich hier und da Probleme dem Geschehen zu folgen, weil andere Elemente im Schnellabriss durchgenudelt werden. „Swiss Army Man“ war da deutlich feiner austariert - da wurde es auch immer wieder schön schräg, aber weil das Tempo halbwegs gemäßigt verlief, hatte der emotionale Unterbau Gelegenheit sich zu entfalten. „Everything“ schüttet euch permanent mit Sinneseindrücken zu, will aber gleichzeitig im Vorbeigehen ein Mutter/Tochter-Drama auflösen. Und das lässt sich einfach nicht balancieren. Der letzte Part wirkt dadurch schwer verkitscht, erreicht hat mich nur wenig.

Und so pendelte ich immer wieder hin und her - zwischen völliger Begeisterung für eines der schrägsten Filmerlebnisse seit Langem und  inhaltlich wie emotional unausgegorenem Kitsch mit gelegentlichen Körperflüssigkeiten. In jedem Fall ein Kinobesuch wert, aber leider kein Hit für mich.

BeHaind liked this review